Miami Files

Ricardos Tagebuch: Small Favors 2

09. November

Das war eine seltsame Woche. Eigentlich relativ ruhig, aber es sind doch immer mal hier Vorfälle und dort Vorfälle aufgeflammt. Glücklicherweise gingen alle Konfrontationen relativ glimpflich ab, keine ausgeflippten Hulks mehr, aber trotzdem. Die Stimmung in der Stadt wird zunehmend nervös.

Alex ist immer noch dabei, sich auszukurieren. Den haben die Anstrengungen an Halloween doch ziemlich fertig gemacht, also lässt er es langsam angehen.


11. November

Mierda. ¡Mierda y cólera!
Wir hätten es echt wissen müssen, dass Lady Fire was plant, verdammt!

Jetzt sitze ich gerade hier und warte, dass sie Edward entlassen, und damit ich keine Furchen in den Krankenhausboden laufe, schreibe ich lieber auf, was passiert ist. ¡Mierda y cólera!

Also. Als wir uns heute bei Edward trafen, hatte der Besuch. Eigentlich sogar mehr als Besuch: Cassius nämlich, der bei Vanguard abgehauen war, weil sein Vater plötzlich dort aufgetaucht sei und seinen Sohn wieder habe einsammeln wollen. Vanguard habe sich geweigert, weil Cassius jetzt zu seinem Rudel gehöre, aber Louis habe gemeint, das gehe gar nicht, man könne sein Rudel nicht einfach so wechseln, und dann sei es hin und her gegangen, und dann sei Cassius abgehauen. Jetzt wollte er gerne bei Edward bleiben und zu dessen Rudel gehören. Als wir ankamen, waren die beiden offenbar gerade in ein längeres Gespräch darüber vertieft gewesen, was es heißt, als Lykanthrop ein Rudel zu haben beziehungsweise eben nicht, und das Gespräch ging noch ein bisschen weiter, als wir da waren, auch wenn wir nicht so richtig viel dazu beitragen konnten – außer vielleicht zu bestätigen, dass wir irgendwie Edwards Rudel darstellen, wenn das das richtige Wort ist.

Wir waren noch gar nicht so lange dort, da fuhren zur exakt selben Zeit von zwei Seiten einige Autos vor: Vanguard und sein Rudel von links und Louis Parsen und sein Rudel von rechts. Natürlich waren beide Gruppen auf der Suche nach Cassius. Sie trafen sich vor dem Haus, und auch Edward ging hinaus, wo er von seinem Vater angeherrscht wurde, er solle aus dem Weg gehen. Ich bin mir nicht sicher, aber aus seiner Wortwahl hatte ich fast den Eindruck, er wusste gar nicht, dass sein Sohn ebenfalls ein Lykanthrop ist. Edward hatte sich auch tatsächlich extrem gut unter Kontrolle, muss ich sagen, was Louis Parsen ihm allerdings sichtlich als Schwäche auslegte. „Geh einfach aus dem Weg und rück den Jungen raus!“ Das zu tun, weigerte Edward sich allerdings auch. „Hol ihn doch“, sagte er kühl, und machte Anstalten ins Haus zurückzugehen, während er sich seinen magischen Handschuh überzog, der seine Faustschläge verstärkt. Als Edward ihm den Rücken zugedreht hatte, warf Parsen Senior sich auf seinen Sohn, aber dem ersten Angriff konnte Edward ausweichen, bevor er selbst mit seinem Handschuh zuschlug und Louis damit völlig überraschte. Der Schlag traf Parsen Senior schwer, beinahe tödlich, aber ab dem Moment war es das mit der Überraschung. Während die beiden sich weiter prügelten, hielten wir anderen uns aus der Sache heraus – das war zu eindeutig ein Zweikampf. Aber wir machten uns bereit, einzugreifen, falls Rudelmitglieder von einer der beiden Seiten den Zweikampf stören wollen sollten. Ich bin nicht sicher, was Roberto und Totilas genau vorhatten, aber ich hörte ein: „Lasst euch nicht von dem Vampir anfassen!“ Ich selbst jedenfalls stand innen am offenen Fenster und hielt einen Zauber bereit, aber zumindest auf Vanguard und seine Leute musste ich ihn nicht anwenden, denn die traten allesamt den Rückzug an, als die Prügelei zwischen Edward und seinem Vater begann. Parsens Rudel sah so aus, als würden sie sich nur mit Mühe zurückhalten, aber auch sie beherrschten sich.

Jetzt, wo Edward das Überraschungsmoment verloren hatte, wurde nur allzu deutlich, dass er trotz allem seinen Vater nicht wirklich lebensgefährlich verletzen wollte. Am Ende war es Edward, der zu Boden ging, gab aber nicht auf, auch wenn Parsen Senior ihn anschrie, er solle sich unterwerfen. Für einen Moment sah es so aus, als wolle Louis seinen Sohn zerreißen, so wie er über ihm stand, und ich war schon drauf und dran, meinen bereitgehaltenen Zauber auf ihn zu werfen. Aber mit einem wütenden Knurren riss Parsen Senior sich zusammen und knurrte statt dessen mich an. „Rück den Jungen raus.“
„Der ist schon weg“, antwortete ich, denn tatsächlich war Cassius durch die Hintertür abgehauen, als es vorne brenzlig wurde.
Wütend trat Louis die Tür ein und kam ins Haus gestürmt. Das war der Moment, in dem ich mich durch das Fenster nach draußen verschwand, denn mit Louis Parsen musste ich mich nicht unbedingt im selben Raum befinden. Von draußen konnte ich sehen, wie Louis und sein Rudel an der Hintertür Cassius’ Geruch aufnahmen und abzogen.

Wir brachten Edward ins Krankenhaus, wo sie ihn erst einmal dabehielten, weil er eine üble Gehirnerschütterung hatte und ansonsten auch relativ mitgenommen aussah. Sein Handy hatte ich währenddessen an mich genommen, damit es im Krankenhaus nicht abhanden kam, und irgendwann, als wir gerade bei mir zuhause zusammen saßen und überlegten, ob es irgendwas gäbe, was wir wegen dieses blöden Supermondes im Moment noch tun konnten, klingelte es, also ging ich dran. Marie Parsen war am Apparat, und sie klang schwer besorgt. Mit der Insel der Jugend stimme etwas nicht, sagte sie. Lady Fire sei auf der Insel aufgetaucht, zusammen mit James Vanguard, Colin und einigen Sidhe, dazu einige Feuerwesen. Die Lady habe Sergeant Book festgesetzt und irgendetwas mit ihm gemacht, woraufhin er jetzt gelähmt dastehe und brenne, und sie hätte vor, beim Supermond dort irgendein Ritual durchzuführen.

Mierda.

Wir verabredeten uns im Behind the Cover, dann fuhren wir Edward bescheid geben, und jetzt ist Edward gerade dabei, sich selbst zu entlassen, Lykanthropen-Heilungskräften sei Dank. Was wie gesagt der Grund ist, warum ich mich gerade mit Schreiben ablenke. Aber jetzt müsste er langsam doch mal fertig sein. Wie lange kann so ein blöder Papierkram denn dauern?


Marie Parsen wartete schon auf uns, als wir im Buchladen ankamen. Sie erzählte uns noch einmal genauer, was sie am Telefon nur angerissen hatte: Dass James Vanguard beim Supermond auf der Insel der Jugend wohl den Wolf rufen und dessen Kraft in sich aufnehmen will. Das Ritual ausgerechnet auf der Insel der Jugend abzuhalten, sei wohl Lady Fires Idee gewesen. Okay, Römer und Patrioten, woher zum Geier kennt Vanguard Lady Fire?!

Eines war klar: Was auch immer Lady Fire vorhat, sie wird es tun wollen, um sich an uns zu rächen. An mir. An ganz Miami. Ich gebe zu, ich reagierte nicht gerade gelassen auf diese Enthüllung, sondern fuhr ein bisschen aus der Haut, um es mal ganz offen zu sagen.
„Na jetzt nimm ihn schon in den Arm“, stubste Mrs. Parsen daraufhin ihren Sohn an, was bei Edward ein verständnisloses „Hä? Was? Warum?“ auslöste. „Seid ihr etwa nicht zusammen?“ soufflierte seine Mutter, woraufhin sowohl er als auch ich wie aus einem Mund mit einem ziemlich gereizten „Nein!“ reagierten. „Ach so“, machte Marie, noch immer nicht überzeugt, „ich dachte, weil er dein Telefon hat und alles.“ Grrrrrr. „NEIN!!!“

Mit etwas Mühe riss ich mich zusammen, immerhin bringt es niemandem was, wenn ich ganz ohne äußere Einwirkung dieses blöde Koyanthropen-Gen aktiviere, nur weil ich hier einen auf Dr. Bruce Banner mache. Und so richtig zielführend war das Geschimpfe auch nicht, selbst wenn es irgendwie gut tat. Nachdem ich ein paarmal durchgeatmet hatte, warf ich in den Raum, dass die Kombination aus Lady Fire und Vanguards Leuten zu viel für uns fünf sein dürfte. Aber wen könnten uns als Unterstützung dazuholen? Ximena vielleicht?

Wir waren gerade noch am Durchgehen unserer Verbündeten, da klingelte Edwards Handy schon wieder. Und diesmal konnte er selbst drangehen, weil ich es ihm natürlich wiedergegeben hatte, als er aus dem Krankenhaus kam. Nur damit hier keine falschen Vorstellungen aufkommen. Es war Henry Smith, der seinem Lieutenant mitteilte, dass es in den Everglades einen Gefängnisausbruch gegeben hätte, mit Feuer und Illusionen. Und, ja natürlich: Enrique und seine Leute sind ausgebrochen. Überraschung.

Habe ich gerade vorhin geschrieben, ich fuhr ein bisschen aus der Haut? Falsch. Jetzt fuhr ich ein bisschen aus der Haut. Das war doch garantiert Ximena, war mein erster Gedanke, aber Totilas und Edward hatten noch einen viel beunruhigenderen. Was, wenn Lady Fire dahinter steckte, die Enrique entführt hatte, um Rache zu nehmen oder weil sie eine Geisel wollte? Oh, mierda. Mierda, mierda, ¡mierda!

Mit noch etwas mehr Mühe als zuvor riss ich mich ein weiteres Mal zusammen. Spekulationen brachten uns nicht weiter, also rief ich kurzerhand bei Ximena an. Die war am Telefon zu keinerlei Aussage zu bewegen, nur dass sie natürlich nichts mit der Sache zu tun habe (natürlich!), aber gerade auch überhaupt nicht abkömmlich sei, wo sie gerade sei, und einen Kollegen zu uns schicken werde.

Grrrrrr. Ich fand das nicht lustig. Also so gar nicht. Denn aus Ximenas Tonfall war nur allzu deutlich zu entnehmen, dass sie eben doch ganz genau wusste, von was ich sprach.

Es dauerte eine ganze Weile, bis Ximenas Kollege – dieser blonde isländische Slacker-Jüngling namens Bjarki irgendwas – im Buchladen auftauchte und uns im Vertrauen bestätigte: Ja, der Ausbruch ging tatsächlich auf seine und Ximenas Kappe. Carlos hatte seine Cousine darum gebeten. Sie hätten sich bemüht, die ganze Aktion so gewaltlos wie möglich über die Bühne zu bringen, nur mit Illusionen und ohne Verletzte. Jetzt halte Ximena sich mit den Flüchtigen an einem passenden Ort in den Glades versteckt – noch ohne Polizei auf den Fersen, nicht direkt jedenfalls. Aber vermutlich sei das nur eine Frage der Zeit, und auf Dauer sicher sei das Versteck nicht.

Verdammt. Aber wir hatten gerade zu viel um die Ohren, mit diesem Problem mussten Ximena und Bjarki erst einmal alleine klarkommen. Vielleicht könnten sie sich auf Linares’ Marijuana-Feldern verstecken, meinte Totilas. Die kann wegen ihres magischen Schutzes immerhin niemand finden. Wenn wir Linares darum bäten und ihm erklärten, dass ich meinem Bruder gerade nicht helfen könne, weil wir ja mit dem Biest beschäftigt seien, dann würde er den Flüchtigen ja vielleicht den Weg auf die Felder zeigen.

Und dann, wenn der Alarm ein bisschen abgeebbt war, könnten die Geflüchteten ja vielleicht nach Kuba weiter, schlug Roberto vor. Vielleicht, erwiderte Bjarki, aber Enrique wolle seine Tochter.
GRRRRRR. Falsche Antwort. Ganz falsche Antwort. Ich merkte gar nicht so richtig, wie ich mit den Zähnen knirschte und die Fäuste ballte, während mir immer groteskere Bilder von einem Kojanthropen-Enrique, der eine haltlos weinende ‘Jandra mit sich zerrte, vor den Augen herumtanzten. Es war Totilas, der mir die Hand auf den Arm legte und beruhigend auf mich einsprach. Das half. Ich atmete tief durch und tröstete mich wenigstens ein bisschen mit der guten Nachricht, dass Enrique immerhin nicht von Lady Fire als Geisel genommen worden war.

Also gut. Auch das brachte niemandem was, wenn ich jetzt hier herumtobte. Nach dem Supermond muss ich mit Enrique reden, aber erstmal müssen wir den Supermond einigermaßen unbeschadet hinter uns bringen.
Jetzt war erst einmal die Frage: Was machen wir wegen der Insel? Wie gehen wir gegen die kombinierten Kräfte aus Lady Fire, Vanguard und Lebenswasser-Colin vor? Wir überlegten eine Weile relativ fruchtlos hin und her, bis ich auf die Idee kam, dass ich am besten mal mit George reden sollte. Immerhin ist er der Vertreter des Wyld hier in der Gegend, und die Insel der Jugend gehört nun einmal zu Wyld.

Also versuchte ich kleines Nachmittagsschläfchen. Ja, mitten im Buchladen. Augen schließen, tief atmen, meditieren. Erledigt genug war ich nach den bisherigen Anstrengungen des Tages tatsächlich.

Der Traum setzte in einem Auto ein (meines? ein anderes? schwer zu sagen), mitten in einer rasanten Verfolgungsjagd. George saß am Steuer und lenkte das Gefährt hektisch durch den widerspenstigen Verkehr. Während wir fuhren, unterhielten wir uns. Ich fragte George, ob er die Auswirkungen des derzeitigen Mondes auch schon mitbekommen habe. Ja, sagte er, er fühle sich irgendwie aggressiv, und die Träume der Leute schmeckten alle so komisch.
Als George sagte, er fühle sich aggressiv, saßen wir plötzlich nicht mehr im Auto, sondern standen uns in einem Boxring gegenüber, und mein kleiner Wyldfae-Freund tänzelte mit schwingenden Fäusten um mich herum, griff mich aber nicht an. Ob er auch schon mitbekommen habe, was auf der Insel der Jugend los sei, wollte ich dann wissen. Da befanden wir uns mit einem Mal auf rauer See, aber nicht in einem Boot, sondern auf einer aufblasbaren Gummiinsel mit Palme. Ja, sagte George, und was da gerade geschehe, sei gar nicht gut. Zu viel Sommer da, gerade. Lady Fire und alles.

Von Lady Fire würde ich übrigens sehr oft träumen, warf George dann ein. „Hah“, machte ich nur. Das wollte ich eigentlich gar nicht wissen, und daran erinnern kann ich mich ja dank Georges kleiner Mitternachtshappen zum Glück meist auch nicht. Mein kleiner Oneirophagenkumpel wollte auch gleich wissen, ob er die Lady-Fire-Träume weiter fressen solle, das wollte ich ihm aber nicht vorschreiben, weder in die eine, noch in die andere Richtung.

Sei es denn dann in Ordnung, wenn ich Pans Einherjar mit auf die Insel nehme, fragte ich weiter. Ja, das sei schon okay: Wenn ich das okay fände, dann sei es bestimmt in Ordnung. Grrrrr. Nicht das, was ich gefragt hatte, und nicht das, was ich hören wollte. Was Georges eigene Meinung sei, hakte ich nach. Naja, es sei eben sehr viel Sommer gerade auf der Insel. Vielleicht wäre ein Ausgleich gut.

Hmmmm. Ausgleich. Also Winter. Hmmmmmmm. Ich dankte George aufrichtig für seinen Rat, und der Kleine freute sich sichtlich. Und dann wurde er creepy. Richtig gruselig, irgendwie. In schneller Abfolge zeigte er mir lauter Bilder von meinen Verwandten und Freunden. Die Jungs. Mamá und Papá, Yolanda und Alejandra, Lidia und Monica. Dee. „Soll ich die auch fressen?“ fragte er dann in einem ganz seltsamen Tonfall. Erm. „Nein!“ „Okay“, machte George, und ich hoffe schwer, das lässt er wirklich.
Hmmm. Vielleicht hätte ich ihn fragen sollen, was das macht, wenn er diese Träume frisst. Also außer, dass ich mich dann an diese Träume nicht mehr erinnern kann, versteht sich. Aber ob noch irgendwas anderes.

Dann kam ich wieder zu mir und erzählte den anderen, was George gesagt hatte. Also das mit dem Sommer-Überschuss auf der Insel und dass ein Ausgleich ganz gut wäre. Das mit dem Vorschlag, die Träume von meinen Freunden zu fressen, nicht.

Unser erster Gedanke bei „Winter“ war angesichts der Tatsache, dass Lady Fire sich auf der Insel aufhält, natürlich erst einmal Lord Frost. „Kannst du denn mit Lord Frost, Cardo?“ fragte mich Totilas, worüber ich erst einmal kurz nachdachte, dann aber mit einem „Geht schon“ antwortete. Immerhin ist Lord Frost der erklärte Gegenspieler von Lady Fire, und im Schwimmbad ging es ja auch einigermaßen. Aber bei Lord Frost wissen wir ja gar nicht, wie wir ihn erreichen können, also musste eine solche Aktion ohnehin über Hurricane laufen.

Wir fanden den Boxer am Hafen, in einer Bodega, die von lauter Winterfeen in menschlichem Glamour besucht wurde. Da mussten wir – musste vor allem ich – nicht unbedingt rein, also redeten wir draußen vor der Tür. Also… ich redete, weil von den anderen keiner Anstalten machte, das zu übernehmen. Wahrscheinlich ist in denen noch zu sehr die Rollenverteilung ‘Cardo übernimmt das Reden’ gespeichert. Was ja grundsätzlich auch stimmt. Nur dass ich Hurricane gegenüber fürchterlich herumdruckste. „Wir sind hier, weil, ähm…“
Allerdings muss man sagen, dass Hurricane es mir auch nicht gerade leichter machte. „Was?“ feixte er. „Ich verstehe dich nicht!“ „Weil… ähm…“ „Es fällt ihm als Vertreter des Sommers gerade etwas schwer, eine offizielle Bitte an Winter zu richten“, erklärte Edward, aber Hurricane schnaubte nur. „Warum macht er es dann?“
Weil… siehe oben.
Aber jetzt übernahmen die anderen dankenswerterweise dann doch und erzählten Hurricane von den Vorgängen auf der Insel der Jugend und dass wir Hilfe bräuchten. Dass die anderen dafür ihre bei Tanit noch offenen Gefallen einfordern wollten.

Während die Jungs erklärten, tigerte ich unruhig und noch immer ziemlich gereizt vor mich hingrummelnd auf und ab und ließ sie machen. Irgendwann merkte ich allerdings, dass Hurricane mich sehr ungehalten anstarrte. „Du zeigst keinen Respekt“, knurrte er.
Verdammt. Da hatte er nicht unrecht. Ich habe ja eigentlich nichts gegen Hurricane, und mein Ärger richtete sich ja noch nicht einmal gegen ihn. „Es tut mir leid“, gab ich hochformell zu. „Ich bin etwas… angespannt derzeit, und ich habe das an dir ausgelassen, was ich nicht wollte. Das zeugte wirklich nicht von Respekt. Bitte entschuldige.“
„Ich akzeptiere deine Entschuldigung“, erwiderte Hurricane, und damit war es dann zum Glück auch okay.

Hurricane erklärte, er werde Lord Frost über Lady Fires Aktionen informieren. Dies werde den Winterlord sicherlich dazu veranlassen, auf der Insel der Jugend für das Gleichgewicht sorgen zu wollen, dies bedeute also noch keinen Gefallen der Jungs bei Tanit. Für die drei offenen Gefallen hingegen versprach er seine eigene Unterstützung sowie die Hilfe von zwei Frostriesen und einer Kompanie Kelpies.

In dem Gespräch erwähnte ich schließlich auch Mr. Dahl und die Heinzelmännchen, und während ich Hurricane im Auge behielt, erklärte ich auch, dass es Colin Mendoza gewesen sei, der Dahl auf die Gesetzeslücke mit dem Teichgelände aufmerksam gemacht hatte. Und als hätte ich es nicht schon geahnt: Hurricane wirkte kein Stückchen überrascht.
Da ich ja weiß, dass die beiden gut befreundet sind, fragte ich daraufhin, ob diese Freundschaft nicht ein Problem für Hurricane darstellen werde, wenn er uns jetzt doch gegen Colin beistehen würde, aber der Winterfae verneinte. Er habe sein Wort gegeben, und es gelte, einen Gefallen einzulösen, den seine Mutter uns schulde. Er werde Colin nicht aktiv umbringen, aber es gehe um sein Wort. Okay, sagte ich, denn das nahm ich ihm auch ganz genau so ab.

„Ich brauche auch ein Versprechen“, ergänzte Hurricane noch. „Ich will euer Wort, dass der Vampir keine Hand an die Winterkrieger legt.“ „Nur, soweit uns das nicht in Gefahr bringt“, versuchte Totilas abzuwiegeln, aber der Boxer starrte ihn einigermaßen finster an und schoss zurück: „Das Versprechen will ich nicht von dir.“
Seufz. Es wird wirklich Zeit, das Totilas diese Eidbrecheraura endlich los wird.
„Ich verspreche es für ihn“, sagte ich stattdessen. „Totilas wird in diesem Kampf seine Vampirkräfte nicht gegen die Streiter des Winters einsetzen.“ Das mochte unserem White Court-Freund zwar nicht gefallen, aber ich kann mir tatsächlich nicht vorstellen, dass die Winterfeen uns bei der Erfüllung eines Gefallens verraten werden und er in die Verlegenheit kommen könnte, mein Versprechen brechen zu wollen. Und wenn doch, muss ich ihn eben davon abhalten.

Nachdem das also geklärt war, trennten wir uns. Alles Weitere muss bis morgen warten, denn es war ein langer Tag, und wir sind alle ziemlich erledigt. Vielleicht hätte ich den ganzen Kram nicht auch noch aufschreiben und stattdessen gleich ins Bett gehen sollen, aber wer weiß, wie ich morgen dazu komme.

Nur mit Yolanda habe ich vorhin noch kurz telefoniert und ihr endlich mal erzählt, was mit Enrique los ist. Dass Jandra und ich den Kojanthropen-Marker mit Sicherheit in uns tragen, was bedeutet, dass Mom und Dad und sie selbst den Marker höchstvermutlich auch aufweisen. Sie war nicht sonderlich begeistert von der Vorstellung, trug es aber mit Fassung. Mehr Fassung als ich, wenn ich ehrlich bin.

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Timberwere

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